tisdag, juli 31

Boddas Bönhus (Gebetshaus) im Jämtland

Boddas Bönhus (Gebetshaus) bei Bodsjö im östlichen Jämtland ist das älteste gezimmerte Haus der Region und eines der ältesten noch erhaltenen gezimmerten Gebäude Schwedens. Das kleine Holzhaus wurde nach den Methoden der Dentrochronologie auf das Jahr 1291 bestimmt und zeigt daher eine typische Bauweise des schwedischen Mittelalters. Ausgrabungen in der Umgebung lassen haben auch bewiesen, dass die nähere Umgebung des Holzhauses bereits im frühen Mittelalter bewohnt war, ohne jedoch klare Hinweise auf die damalige Bevölkerung zu liefern.

Boddas bönhus wurde im Jahre 1912 von seinem ursprünglichen Platz in die Nähe der Kirche des rund 400 Bewohner zählenden Ortes versetzt und spielt heute für die Gemeinde eine große Bedeutung, was sich auch dadurch ausdrückt, das dort Ende Juni ein Wikingermarkt stattfindet und während des Sommers ein Laienschauspiel geboten wird, das die Legende des Gebäudes schildert und an dem ein Viertel der Bewohner aktiv beteiligt sind.

Nach der Legende kam die Norwegerin Bodda mit ihren Söhnen zur Zeit des Heiligen Olaf von ihrer Heimat nach Schweden und lies sich in Bodsjö nieder. Am Ufer des Flusses errichtete sie dann eine kleine Kirche, Boddas Bönhus, was auch dazu führte, dass der langsam entstehende Ort nach Bodda benannt wurde. Dass dieses Holzhaus erhalten blieb, lässt sich vermutlich ebenfalls aus der Legende herleiten, die seit Jahrhunderten überliefert wird.

Zwischen Legende und Wirklichkeit zu trennen, ist heute vollkommen unmöglich, auch wenn sicher ist, dass Boddas Gebetshaus erst über 300 Jahre nach dem Tod des Wikingers Olav Haraldsson, Olav den helige, erbaut wurde, denn nichts besagt, dass an der gleichen Stelle nicht vorher schon eine kleine Kapelle lag und niemand weiß, ob Bodda je existierte, da sie nur in der Legende des Ortes vorkommt und in der Geschichte Schwedens keinerlei Rolle spielt.

Diese Art der Legenden entstanden jedoch während der Christianisierung nahezu überall im Norden, da die katholischen Mönche und Priester auf diese Weise Gott „menschlicher“ gestalten konnten und ermöglichte die Bevölkerung von den nordischen Göttern zum neuen Glauben bringen konnten, da es für die Mehrheit der Bevölkerung sehr schwierig war sich einen geistigen Gott vorzustellen.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, juli 30

Die schwedischen Wikinger im westschwedischen Ale

Auch wenn man bei Wikingern in erster Linie an Björkö denkt, wo eine Mischung aus historischer und touristischer Wikingerstadt aufgebaut wird, so handelt es sich dort nicht um die einzige Stelle Schwedens an der man Wikinger nachweisen kann, denn auch im westschwedischen Ale konnte man diese nordischen Krieger und Händler finden, wobei dort auch das einzige Schiff der Wikinger entdeckt wurde, das Äskekärrsskeppet, das kurz vor dem Jahre 1000 gebaut worden war und heute im Göteborger Stadtmuseum zu besichtigen ist.

In Ale wurde eines der typischen Langhäuser der Wikinger errichtet, wobei man bei diesem Bau weniger die Theorien über die Bauten und die Struktur der Gebäude der Wikinger walten ließ, sondern auf Ausgrabungen bei Tissö in Dänemark zurückgreifen konnte. Aber auch wenn die Art des Gebäudes nahezu authentisch ist, so bleiben bei den Details zahlreiche Fragezeichen, denn im ganzen Norden wurde nicht ein vollständig erhaltenes Gebäude der Epoche der Wikinger gefunden, so das auch die Wikingerdörfer in Birka, in Vellinge oder Tofta großenteils als Phantasie betrachtet werden müssen.

Wie auch auf Björkö, so fand man auch in Ale zahlreiche Gegenstände der Eisenzeit und der Epoche der Wikinger, angefangen von Schmuckgegenständen bis zu Schwertern und Äxten. Auch wenn  man heute weiß, dass der Göta Älv bereits für die Wikinger der wichtigste Weg zwischen Vänern und Kattegatt war, so weiß man bis heute nicht inwieweit die Wikinger auf Björkö mit jenen in Ale in Verbindung standen. Sicher ist im Grunde nur, dass beide Gruppen eigene und unabhängige Herrscher hatten, die Adam von Bremen als Könige bezeichnete, auch wenn ihre Macht sehr begrenzt war.

Das Wikinger-Langhaus in Ale mit einer Länge von 17 Metern und einer Breite von bis zu sieben Metern stellt ein Herrschaftshaus der Wikinger dar und entstand ab dem Jahre 2001 im Rahmen der experimentellen Archäologie, die auch beim Bau der Wikingerstadt in Birka angewendet wurde, was bedeutet, dass man, ausgehend von archäologischen Kenntnissen, beim Bau der Gebäude die frühere Bautechnik „neu entdecken“ wollte um eine Vorstellung darüber zu gewinnen welche Technik die Bauherren der Wikinger anwandten. In gewisser Weise ergänzen sich daher auch Birka und Ale, denn während man auf Björkö versucht ein Stadtmilieu zu schaffen, findet man in Ale einen Wikingerhof, wie er vermutlich über ganz Schweden verteilt zu finden war.

Ale ist, wie die Wikingerstadt Birka, noch im Aufbau und wird in wenigen Jahren aus mehreren landwirtschaftlichen Gebäuden bestehen, wo auch die Landwirtschaft und die Tierhaltung zur Wikingerzeit so getreu wie möglich nachvollzogen und gezeigt wird. Auch rurales Handwerk wird im Wikingerhof in Ale integriert, selbst wenn man hier, wie auf Björkö, so manches „neu erfinden“ muss, da uns die tatsächlichen Kenntnisse aus der Wikingerzeit nicht überliefert wurden. Die Idee der Wikingerdörfer, Wikigerstädte und anderer Bauwerke dieser Zeit ist auch nicht ein Originalmilieu zu schaffen, sondern zu zeigen wie die Wikinger möglicherweise gelebt und gearbeitet haben um die Geschichte lebendiger zu gestalten.

Um die Epoche der Wikinger wirklich lebendig zu gestalten, so lockt auch Ale mit einem Wikingermarkt, der mit Kämpfen und Handwerk verbunden ist, am ersten Wochenende im Mai Touristen an, die bei dieser Gelegenheit einen Eindruck zu dieser geschichtlichen Epoche bekommen sollen. Während man Schmuck, Äxte und Schwerter, die man in Ale, Birka und anderen Orten findet, auf Grund von Originalfunden rekonstruieren konnte, so dienen aufgebaute Schmieden oder Vorführungen von Handwerk mehr dazu, eine Idee vermittelt zu bekommen wie um diese Zeit vermutlich gearbeitet wurde, denn die tatsächlichen Kenntnisse und Methoden, die in Ale oder Birka gezeigt werden, stammen überwiegend aus dem Mittelalter und sind daher um einige hundert Jahre jünger. Da jedoch eine Schmiede des Mittelalters auf jene der vorhergehenden Epochen aufbaute, ebenso wie anderes Handwerk, so kommt man den Kenntnissen der Wikinger in Form von Museumsdörfern und handwerklichen Vorführungen relativ nahe.

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, juli 29

Der Bökstastenen, ein Dokument der schwedischen Geschichte

Einer der geschichtlich interessantesten Runensteine aus dem 11. Jahrhundert ist der sogenannte Bökstastenen (Bökstastein) zwischen Uppsala und Örsundsbro. Der Runenstein wurde nur knapp 100 Jahre vor der in der Nähe liegende Balingsta Kyrkan geschaffen, wodurch die Zeit der Christianisierung in dieser Gegend relativ klar bestimmt werden kann, da man auf dem Bökstastein noch Symbole der nordischen Mythologie findet und jedes Zeichen des Christentums fehlt.

Der Bökstastenen hat ausschließlich wegen seiner Bilder eine geschichtliche Bedeutung, da die Inschrift nur erzählt, dass der Stein von Eltern und Geschwistern zur Erinnerung an einem gewissen Est errichtet wurde, Personen, die man keinerlei geschichtlichem Ereignis zuordnen kann.

Der Stein, der bereits die Aufmerksamkeit von Johannes Bureus weckte, war zu jener Zeit in mehrere Teile zerschlagen und konnte erst 2004, nach dem Fund eines letzten Teiles, wieder vollständig zusammengefügt werden. Wo der Stein ursprünglich stand, ist heute nicht mehr zu sagen, aber es besteht der Verdacht, dass er ursprünglich entweder an der Balingsta Kyrkan stand und im Rahmen der Christianisierung zerstört wurde oder aber an einem Handelsweg. An die heutige Stelle wurde der Bökstastein jedenfalls erst im 19. Jahrhundert transportiert.

Auf dem Bökstastenen wird, umgeben von der Inschrift in Runenzeichen, eine Jagdszene dargestellt, die durch mehrere Aspekte als einzigartig gilt, denn die Jagd auf Elche erfolgt hier nicht nur zu Pferde, sondern es werden auch zwei Hunde und Falken (oder andere Raubvögel) mit eingesetzt, wobei einer der Raubvögel gerade einen Elch schlägt. Der Jäger hält einen Speer in der Hand mit dem er den geschwächten Elch dann vermutlich töten will.

Links unten am Bökstastein ist jedoch die Abbildung zu finden, die den Stein endgültig zu einem einzigartigen Werk macht, denn hier kann man erstmals einen Skiläufer mit Pfeil und Bogen entdecken, der weitaus kleiner abgebildet ist als die Hauptszene. Diese Inschrift beweist, dass Skis bereits im frühen Mittelalter bekannt waren und schon damals die heutige Form hatten.

Dieser Skiläufer ist jedoch gleichzeitig das größte Rätsel der Forscher, denn die Historiker sind  nahezu einstimmig der Meinung, dass es sich hier um einen mythologischen Gott handelt. Während die Mehrheit der Geschichtsforscher der Meinung ist, dass es sich bei diesem Gott um Ull handelt, der in der nordischen Mythologie mit der Jagd in Verbindung gebrach wird, so gibt es auch die Theorie, dass es sich bei der gesamten Szene um die Jagd von Göttern handelt und der Ritter Oden darstellt, der mit seinen beiden Raben Hugin und Munin unterwegs ist. In diesem Fall wäre der Vogel auf dem Kopf des Elches kein Raubvogel, sondern ein Rabe.

Was jedoch gegen diese Theorie spricht, ist die Tatsache, dass nur in arabischen Ländern mit Raben gejagt wurde und die beiden Raben Odens keine Raubtiere waren, sondern Spione. Dagegen sind sich die Archäologen sicher, dass in Schweden spätestens ab der Vendelzeit vor allem Habichte zur Jagd abgerichtet wurden und von der damaligen Aristokratie Schwedens zur Jagd benutzt wurden, die dann vermutlich jedoch nicht dem Nahrungsbedarf, sondern dem Vergnügen diente. Diese Tatsache wird nicht nur durch Felsritzungen (hällristningar) bestätigt, sondern auch dadurch, dass in Gräbern wichtiger Personen aus der Zeit der Vendel Raubvögel mit beerdigt wurden.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, juli 28

Ulf Gudmarsson, nicht nur der Ehemann der Heiligen Brigitta

Ulf Gudmarsson wurde 1297 oder 1298 als Sohn des Ritters Gudmar Magnusson und Margareta Ulfsdotter in Ekebyborna im Östergötland geboren und gehörte daher dem Geschlecht der Ulvåsa (Ulvåsaätten) an, das sowohl in Östergötland als auch in Västergötland zahlreiche Güter besass und einen bedeutenden Einfluss ausübte.

Noch unmündig wurde Ulf Gudmarsson durch ein Abkommen zwischen seinem Vater und Birger Persson, einem der mächtigsten Männern des Upplandes, mit der damals 13-jährigen Birgitta Birgersdotter verheiratet, die später als die Heilige Birgitta bekannt wurde. Im gleichen Zug hatte Birger Persson auch seine beiden anderen Kinder Magnus und Katarina verheiratet. Birgitta zog nach der Ehe unmittelbar zum Stammgut der Familie seines Ehemannes nach Ulvåsa.

Zu Beginn des Jahres 1320 wurde Ulf Gudmarsson zum Ritter geschlagen und bereits 1328 war er, gerade einmal als 30-jähriger, Lagman in Närke. Nur zehn Jahre später wurde er zum Reichsrat ernannt und hatte damit, als Ratgeber des Königs, einen der höchsten Dienste des Landes erlangt.

Ulf Gudmarsson galt als ebenso gläubig wie seine Ehefrau Birgitta, was im Zuge der Zeit auch dazu führte, dass das Ehepaar zu den für Schweden wichtigsten Pilgerreisen aufbrach. Die erste Pilgerfahrt gegen 1340 führte zum Grab von Olav dem Heiligen in Nidaros, einer Person, die vom plündernden und mordenden Wikinger zum Heiligen Norwegens geworden war. Die zweite Pilgerreise führte in das spanische Santiago de Compostella, wo die beiden die Reliquien des Heiligen Jakob besuchen wollten.

Auf dem Rückweg von Santiago de Compostela erkrankte Ulf Gudmarsson schwer und Birgitta erschien der Heilige Dionysius, der ihr versprach, dass ihr Ehemann vollständig genesen werde. Um Gott ebenfalls um Hilfe anzuflehen, zog das Ehepaar bei der Rückkehr unmittelbar ins Kloster Alvastra, wo Ulf Gudmarsson jedoch ein Jahr später starb. Als Gönner des Klosters wurde Ulf auch im Kloster begraben.

Aus der Ehe zwischen Ulf Gudmarsson und Birgitta Birgersdotter gingen acht Kinder hervor. Märta wurde Hofdame und war für die Erziehung von Königin Margareta verantwortlich, Katarina wurde Äbtin des Klosters Vadstena, Ingeborg trat als Nonne ins Kloster Riseberga und Cecilia ging erst ins Kloster Skänninge, das sie jedoch wieder verlies um Lars Sunesson zu heiraten. Der Sohn Birger wurde bei einer Reise ind Heilige Land in Jerusalem zum Ritter geschlagen und später zum Lagman ernannt, Karl war am Aufstand gegen Magnus Eriksson beteiligt, Bengt und Gudmar starben sehr jung, wobei Bengt im Kloster Alvastra begraben liegt.

Copyright: Herbert Kårlin

fredag, juli 27

Die Ragnarsdrápa, das älteste Werk über die Geschichte Schwedens

Die Ragnarsdrápa ist das älteste dichterische Werk, das von der Vorgeschichte Schwedens und der nordischen Mythologie handelt und vermutlich im 9. Jahrhundert vom norwegischen Skalden Brage Boddason verfasst wurde. Die Überlieferung eines Großteils dieses Werkes verdankt man Snorre Sturlasson, der vermutlich noch Zugang zum Originalwerk hatte und dieses dann mehrere Jahrhunderte später in die Snorre-Edda aufnahm.

Die Ragnarsdrápa wurde für den schwedischen Sagenkönig Björn von Birka verfasst und lobt den Helden Ragnar, bei dem es sich nach der Meinungen zahlreicher Historiker um Ragnar Lodbrok handelt. Diese Theorie kann jedoch nicht bewiesen werden, da Ragnar nach Saxo Grammaticus Jarl beim dänischen König war, er nach den isländischen Sagen jedoch als ein König Svitjods bezeichnet wird.

Brage Boddason beschreibt in der Ragnarsdrápa die Inschriften eines dekorierten Schildes, das Ragnar Lodbrok ihm übergeben hat. Da Brage sein Werk in Drottkvätt verfasste, ist die Deutung des Werkes immer noch mit gewissen Vorbehalten zu sehen, zumal auch nicht bekannt ist ob Snorre Sturlasson das Gedicht auch so übertragen hat wie er es fand oder gewisse Ergänzungen vornahm.

Schildgedichte waren zur Epoche Brages eine häufige Ausdrucksform, auch wenn nur wenige Werke erhalten geblieben sind. Ausser der Ragnarsdrápa sind vor allem noch die Haustlöng des Skalden Tjodulf av Hvin, dem auch die Ynglingatal zugesprochen wird und die Húsdrápa des Skalden Ulf Uggason (Úlfr Uggason), die oft in einem Zuge genannt werden.

Die Ragnarsdrápa wurde in vier Teile eingeteilt, wobei der erste Teil den Kampf von Hamðer und Sorli gegen Jörmunrekkr (Ermanaric) beschreibt, der zweite den ewigen Kampf zwischen Heden und Högni (Hjadningenkmapf), der dritte die Geschichte als der nordische Gott Tor (Thor) die Midgårdsormen (Midgardschlange) fischt und der letzte Teil als Gefjun (Gefjon) mit vier Ochsen Seeland schafft, da der Pflug so tief greift, dass ein Stück Schwedens abgespalten wurde.

Da man das Prunkschild mit der Ragnarsdrápa nie entdecken konnte, so weiß man auch nicht, ob der Text eingeschnitzt war, von Brage aufgemalt wurde, und ebenso wenig weiß man aus welchem Material dieses sagenumwobene Schild hergestellt war und ob und wie es verziert war.

Copyright: Herbert Kårlin

torsdag, juli 26

Die Heilige Ragnhild von Tälje und Inge der Ältere

Auf Grund von zwei Abschriften eines Epitaph aus dem 14. Jahrhundert, einer Kopie der Lilla Rimkrönikan und den handschriftlichen Aufzeichnungen der Prosakrönikan gilt die Existenz einer Königin Ragnhild, die später als die Heilige Ragnhild von Tälje (entspricht Ragnhild von Södertälje) bezeichnet wird, als bewiesen. Schwieriger ist jedoch zu belegen mit welchem König Ragnhild verheiratet war und wann sie, falls überhaupt, die Königin Schwedens war.

Die Diskussion geht, da Ragnhild av Tälje gegen 1075 geboren wurde und gegen 1117 starb, im Grunde nur darum, ob sie mit Inge den äldre oder Inge den yngre verheiratet war, die jedoch beide, zumindest eine längere Zeit über, mit anderen Frauen verheiratet waren, die in der schwedischen Geschichte eine gewisse Bedeutung spielten. Inge der Ältere (auch als Inge I. bezeichnet) war mit Helena verheiratet und Inge der Jüngere (Inge II.) mit Ulvhild Håkansdotter.

Heute geht die Mehrheit der Geschichtswissenschaftler davon aus, dass Ragnhild mit Inge den äldre kurze Zeit verheiratet war, ohne dass dies jedoch eindeutig belegt werden kann und immer wieder gewisse Zweifel daran auftauchen, zumal nicht sicher ist, dass Ragnhild überhaupt mit einem der beiden Königen Inge verheiratet war, sondern dies vielleicht nur durch fehlerhafte Übersetzungen alter Dokumente, die heute verschwunden sind, aufkam.

Etwas verwirrend ist dabei auch, dass Ragnhild von Tälje, je nach Quelle, die Tochter des Königs Halsten gewesen sein soll, nach einer Aufzeichnung des Vreta Klosters war sie die Ehefrau von Johan Sverkersson , nach dem Historiker Sven Lagerbring war sie die Tochter von Hallsten Folkesson und nach dem Geschichtswissenschaftler Elias Palmsköld war Ragnhild schließlich eine norwegische Königin. Vermutlich wird niemand je die Wahrheit wissen, zumal die Legenden um Ragnhild mehr ihren Status als Heilige hervorheben als ihre Herkunft oder gar ihre Funktion als schwedische Königin.

Alle Legenden, die die Heilige Ragnhild von Tälje betreffen, stammen aus dem 15. Jahrhundert, wobei hierbei insbesondere ihre Pilgerreisen nach Rom und nach Jerusalem eine wichtige Rolle spielen. Aber auch die Aussage, dass die Heilige Ragnhild die S:ta Ragnhild Kyrka in Södertälje gegründet haben soll und dort begraben liegt, entstammt nur katholischen Legenden, die man nicht überprüfen kann, denn auch wenn man heute Sankt Ragnhild als die Schutzheilige der Stadt betrachtet, so wurde im Sigel der Stadt bis zum Ende des Mittelalters Sank Olof abgebildet, der dann im 16. Jahrhundert von Maria abgelöst wurde. Erst im Jahre 1623 findet man die Heilige Ragnhild als Beschützerin der Stadt, also 500 Jahre nach ihrem Tod.

Copyright: Herbert Kårlin

onsdag, juli 25

Das Riseberga Kloster von der Gründung bis Gustav Vasa

Das Riseberga Kloster bei Fjugesta in Närke gehört zu jenen Klöster der Zisterzienser, die unter Sverker den yngre entstanden. Riseberga wurde von von den Nonnen des Vreta Klosters gegründet, wobei ihnen die notwendigen Grundstücke vom schwedischen Jarl Birger Brosa und seiner Ehefrau Birgitta Haraldsdotter, der Witwenkönigin von Magnus Henriksson, geschenkt wurde. Die Schenkungsurkunde stammt allerdings erst von 1202, obwohl der Klosterbau vermutlich bereits gegen 1180 begonnen wurde. Im Jahre 1202 trat Birgitta in Riseberga ein, was wirtschaftlich von größter Bedeutung für das Kloster wurde.

Das Kloster Riseberga wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts vermutlich auf dem Grund einer früheren Holzkirche erbaut. Die Vorrangstellung des Klosters zeigt sich dann bereits 1212 unter Erik Knutsson, als Riseberga nach einem königlichen Dokument alles beschlagnahmte Eigentum von Verbrechern in ihrem Einzugsbereich zugesprochen bekommt. In relativ kurzer Zeit verfügte das Kloster dann durch verschiedene Schenkungen und Beschlagnahmungen über 224 Besitztümer, darunter Güter, Mühlen, Gruben und Kirchen, die sich in Närke, Södermanland, Värmland, Västergötland, Östergötland und auf Öland befanden.

Nachdem man am Kloster Riseberga, von dem heute nur noch wenige Teile als Ruine zu sehen sind, auch eine Schmiede fand und das Kloster Erzgruben besaß, ist anzunehmen, dass dort auch Eisen hergestellt wurde. Da die Schmiede am Rande des Klosters lag und die Schmelzeinrichtung ganz außerhalb, liegt die Vermutung nahe, dass sich nicht die Nonnen damit beschäftigten, sondern Laienbrüder der Zisterzienser, die außerhalb der Klostermauern lebten.

Als 1341 Ulf Gudmarsson und Birgitta Birgersdotter, die Heilige Birgitta, ihre Tochter Ingeborg als Novizin ins Kloster Riseberga brachten, so war dies erneut mit bedeutenden Gaben verbunden, was der Tochter auch sichere Einnahmen auf Lebenszeit garantierte. Später kam auch ihre Tochter Catharina nach Riseberga, wo sie erst ihre Ausbildung erhielt, später als Novizin eintrat und schließlich zum Kloster Vadstena kam, wo sie auch begraben wurde.

Der Aufschwung des Klosters wurde 1384 durch Albrecht von Mecklenburg unterbrochen, der das Riseberga Kloster plündern ließ und die Klosterschwestern vorübergehend zum Verlassen der Einrichtung zwang.

1527 wurde Riseberga dann im Zuge der Reformation unter Gustav Vasa Eigentum der Krone und sieben Jahre später musste die letzte Nonne das Kloster verlassen. Weitere zwölf Jahre später brannten die Gebäude nieder, wobei die Kalksteine des Bauwerkes 1650 für den Bau der Edsbergs Kyrka verwendet wurden. Dies war auch der Anlass dafür, dass andere Bauten der Umgebung mit den restlichen Steinen des zerstörten Klosters gebaut wurden.

Seit 1937 findet man bei der Klosterruine Riseberga das größte Freilichttheater Schwedens mit 1216 Sitzplätzen. Seit 2007 gibt das Amateurtheater Örebro dort im Sommer regelmäßig Vorstellungen, die mit dem ruralen Milieu in Verbindung stehen. Einen Teil seiner Berühmtheit verdankt Riseberga auch der Erzählung „Om Eilsif och Bernhard den långe“, auch „Skön Elisif“ genannt, die zur Zeit Albrecht von Mecklenburgs spielt.

Copyright: Herbert Kårlin

tisdag, juli 24

Steinritzungen in Blekinge, die Geschichte der Bronzezeit

Obwohl gerade Steinritzungen (hällristningar), die wissenschaftlich als Petroglyphen bezeichnet werden, ein Stück der schwedischen Bronzezeit aufzeigen, uns Hinweise über die Lebens- und Denkweise dieser Epoche geben und uns Hinweise auf Handelswege und Handelsniederlassungen bieten, begann man in Blekinge erst im Jahre 2008 die Steinritzungen systematisch zu suchen, zu registrieren und in einigen Fällen auch zu restaurieren.

Diese Arbeit führte dazu, dass mittlerweile acht Gebiete mit rund 200 Fundstellen entdeckt wurden, sich die Anzahl der gefundenen hällristningar etwa verdoppelte und sich geradezu eine Straße entlang der früheren Küste zeigt. Auch wenn die Suche nach Petroglyphen der letzten fünf Jahre sehr erfolgreich waren, so liegen noch heute mindestens ebenso viele Arbeiten unter Erde, Laub und Wurzeln verborgen von deren Existenz wir bisher kaum etwas ahnen.

Als der interessanteste Fund in der Region Blekinge kann Horsahallen bei Möckleryd betrachtet werden, denn hier findet man auf einer Fläche von 20 Meter Länge und 10 Meter Breite 150 Figuren. Unter diesen Figuren entdeckt man 85 Schiffe, 20 Näpfchen, 18 Fußsohlen, zehn Tiere, zwei Menschen und mehrere undefinierbare Felsritzungen, deren Bedeutung uns bisher völlig unbekannt ist.

Dass ausgerechnet Horsahallen eine so bedeutende Fundstelle ist, lässt darauf schließen, dass es sich hier um einen wichtigen Platz der Bronzezeit gehandelt hat, auch wenn man heute nicht sagen kann, ob es sich um einen Kultplatz, eine Handelsniederlassung oder einen simplen Treffpunkt zu bestimmten Zeiten eines Jahres handelte.

Auch die Steinritzungen, die nach den zwei abgebildeten Pferden „Horsahallen“ genannt wurden, lassen sich schwer deuten, allerdings nicht nur wegen der verschiedenen Symbole, sondern auch, weil man im Laufe der Jahrhunderte die Abbildungen immer wieder veränderte und ergänzte. Auch wenn die eingeschlagenen Schiffe, zum Beispiel, mit Sicherheit mit der damaligen Seefahrt und dem Fischfang zu tun hatten, so rätselt man noch über die Symbole an den Schiffen, die unter Umständen mit der nordischen Mythologie in Verbindung gebracht werden können.

Die Verbindung zur nordischen Mythologie beruht auch auf den Abbildungen der Pferde, da diese, wie auch in Skåne und Dänemark, jene Pferde sind, die den Sonnenwagen Alfrödull über das Firmament ziehen, ein sehr häufig wiederkehrendes Symbol der Bronzezeit. Interessant ist in diesem Rahmen auch, dass Pferde erst in der Bronzezeit nach Schweden kamen.

Während man nur zwei Menschen (oder auch nordische Götter) abgebildet findet, so erstaunen die 18 Fußsohlen etwas, Abbildungen, die man auch in Tanum im Bohuslän und anderen Stellen entdecken konnte und zu sehr verschiedenen Theorien führten. Da diese Art von Abbildungen relativ häufig einen Übergang vom Leben zum Tod darstellten, also im Zusammenhang mit Gräbern zu finden waren, könnten die Fußsohlen auf eine nahe Grabstelle verweisen. Eine andere Theorie, vor allem im angelsächsischen Raum und in den Alpen, will diese Abbildung als Signatur der Künstler verstehen. Eine einheitliche Meinung hierzu können vermutlich nur zusätzliche Funde und weitere Forschungen bringen.

Copyright: Herbert Kårlin

måndag, juli 23

Die Bildsteine Gotlands von der Völkerwanderung bis zum Mittelalter

Auch wenn einige wenige Bildsteine selbst in Skåne, im Gästrikland und anderen Teilen Schwedens gefunden wurden, so zählt die Insel Gotland mit seinen über 550 Bildsteinen, den Vorgängern der Runensteine, zur wichtigsten Informationsquelle zwischen der Völkerwanderung und dem schwedischen Mittelalter, da diese Steinritzungen die Denk- und Lebensweise einer Zeit dokumentieren zu der es keine anderen schriftlichen Quelle gibt.

Dass gerade auf Gotland etwa ab 300 nach Christus Bildsteine entstanden, liegt vermutlich daran, dass die dortigen Kalksteine und Sandsteine relativ weich sind und sich hervorragend für diese Art von Dokumentation eignen. Hinzu kommt sicher auch, dass Gotland sehr früh Beziehungen zu anderen Ländern hatte und diese Bedeutung durch seine Lage immer behalten hat, also Einflüsse mehrerer südlicher Kulturen aufnehmen konnte.

Die Bildsteine auf Gotland wurden ursprünglich auf Grabfeldern, nicht jedoch auf Gräbern, an Wegen und später auch an Opferstellen und Versammlungsorten aufgestellt. Vor allem die Bildsteine der Epoche zwischen 800 nach Christus und dem Beginn des 12. Jahrhunderts wurden überwiegend entlang der wichtigsten Straßen jener Zeit aufgestellt. Die Bedeutung dieser Anordnungen ist allerdings bis heute unbekannt.

Nur noch sehr wenige Bildsteine Gotlands stehen heute an ihrem ursprünglichen Platz. Etwa 40 Bildsteine findet man im Fornsalen in Visby, andere im Historischen Museum in Stockholm und dem Bungemuseum auf Gotland. Wieder andere wurden während der Christianisierung der Insel in Kirchen oder anderen Gebäuden eingemauert.

Die Bildsteine Gotlands können nach ihren Motiven in drei Gruppen eingeteilt werden, wobei die älteste Gruppe die Zeit zwischen 300 und 700 nach Christus umfasst. Nahezu alle Steine dieser Epoche haben die Form einer Axt, deren Schneide Richtung Himmel zeigt und die bis zu drei Meter hoch sein können. Die eingravierten Ornamente und Symbole entsprechen jenen, die man bereits vorher im südlichen und im zentralen Europa finden konnte. Über die Deutung dieser Symbole und Zeichnungen sind sich Archäologen und Geschichtswissenschaftler bis heute nicht einige, wobei die vorherrschende Meinung ist, dass oben die Sonne abgebildet ist und darunter Paare von Menschen und Tieren eingeschlagen wurden, die sich gegenüberstehen. Auf einigen der Steinen kann man auch deutlich die ersten Schiffe erkennen. Ein Motiv, das sich ebenfalls immer wieder auf den Steinen dieser Zeit wiederholt sind eine gebärende Frau und Schlangen.

In der Epoche zwischen 700 und 900 nach Christus verändert sich nicht nur die Form der Steine, die dann die Form einer Tür annehmen und bisweilen als Tor zur Welt der mythologischen Götter interpretiert werden. Die Mehrheit der Abbildungen dieser Steine kommen auch aus der nordischen Mythologie, wobei man hier nicht nur Szenen aus der Valhall findet, sondern auch mehrere alleinstehende Götter deutlich erkennt oder das achtfüßige Pferd Sleipner findet. Diese Steinritzungen gelten als die Ergänzungen zu den Aufzeichnungen Snorre Sturlassons und zeigen wie sich die Vendel und die ersten Wikinger die Welt der Götter vorstellten.

Mit fortschreitender Wikingerzeit werden den eingeschlagenen Symbolen Runenzeichen beigefügt, Textschlingen gestaltet, aber es erscheinen auch die ersten christlichen Kreuze. Die Abbildungen der Schiffe auf diesen Steinen, die immer häufiger werden, zeigen die Modelle der ursprünglichen Wikingerschiffe, ihre Beseglung und andere Details, die uns heute ermöglichen diese Schiffe möglichst originalgetreu nachzubauen und die Reste der gefundenen Boote weitgehend zu restaurieren.

Die heutige Geschichtswissenschaft geht davon aus, dass Bildsteine nicht der Geschichtsschreibung dienten, sondern an einzelne Ereignisse, an Reisen und Personen erinnern sollten, aber nichts schließt aus, dass die Künstler jener Epoche nicht bereits ihre Erfahrungen und ihre Denkweise auf diese Weise den zukünftigen Generationen überliefern wollten, also bereits Geschichte schrieben.

Copyright: Herbert Kårlin

söndag, juli 22

Gallejaur, nordländische Landwirtschaft ab dem 19. Jahrhundert

Ab dem 17. Jahrhundert begann in Schweden ein Programm, das die Zukunft des nordschwedischen Hinterlandes vollständig verändern sollte, da der König und der Reichsrat versuchten die Landwirtschaft ins Hinterland auszudehnen und durch Rodung der Wälder dort Landwirtschaft anzusiedeln, da der Anbau in Küstennähe nicht mehr ausreichte die Bevölkerung zu ernähren.

Das am besten erhaltene historische Dorf dieser Epoche findet man in Gallejaur, etwa 50 Kilometer südlich von Arvidsjaur, dessen Kulturreservat mit über 50 Bauwerken die nordschwedische landwirtschaftliche Geschichte zwischen 1800 und 1940 erhalten hat und heute das einzige erhaltene Museumsdorf dieser Art bildet.

Um Gallejaur zu besiedeln versprach die Krone Ende des 18. Jahrhunderts jenen, die sich dort niederlassen wollen das entsprechende Land und eine Steuerbefreiung zwischen 15 und 40 Jahren. Auch wenn dies für viele verlockend war, so stellte sich sehr schnell heraus, dass die Steuerersparnis hart verdient werden musste, denn jeder Landwirt war gezwungen innerhalb der ersten sechs Jahre zwei Tunnland Wald, was etwa 10.000 Quadratmetern entspricht, in eine landwirtschaftliche Fläche zu verwandeln und dort einen Stall mit Scheune für acht Kühe zu bauen, die auch vom Ertrag der eigenen Wiesen das ganze Jahr über ernährt werden konnten.

Trotz dieser Forderungen entstand zwischen 1800 und 1860 ein Dorf, dessen Züge man heute noch erkennen kann, wobei nahezu alle der ursprünglichen Gebäude ebenfalls noch erhalten sind und daher die Methoden der Landwirtschaft in Nordschweden zeigen. Leider wurden in den 60er Jahren, als sich Gallejaur dem Tourismus öffnete, auch einige moderne Stugor in nächster Nähe gebaut, die den historischen Gesamteindruck stören.

Die Anlage des historischen Ortes Gallejaur folgte dem typischen Prinzip des 19. Jahrhunderts, denn zum einen sollten die Ansiedlungen in Nordschweden an einem See oder einem Flusslauf liegen, damit die Bewohner durch Fischfang eine Zusatzernährung hatte, und zum anderen an einem nach Süden gerichteten Hügel liegen, damit der Anbau von Getreide und Gemüse möglich war. Nachdem der Wald gerodet war, wurden in Gallejaur überwiegend Weizen, Hafer, Roggen, Lein und Kartoffeln angebaut, Produkte, die auch im Winter gelagert werden konnte.

Die Wiesen, die man um Gallejaur sehen kann, gehören zu den ursprünglichsten Wiesen Schwedens und werden bis heute nicht gepflügt, damit die Natur ihren üblichen Rhythmus einnehmen kann.

Copyright: Herbert Kårlin

lördag, juli 21

Der Frieden von Roskilde und das heutige Schweden

Der Frieden von Roskilde am 26. Februar 1658, gemeinsam mit dem folgenden Frieden von Kopenhagen zwei Jahre später, war, vom heutigen Schweden aus gesehen, der wichtigste Friedensschluss der nordischen Länder, da durch die beiden Verträge nicht nur das heutige Schweden mit seinen Grenzen geschaffen wurde, sondern auch die Grenzen von Dänemark und Norwegen.

Dem Friedensschluss ging ein achtmonatiger Krieg zwischen dem schwedischen König Karl X. Gustav und dem dänisch-norwegischen König Fredrik III. voraus, der von Dänemark begonnen worden war um Gotland, Jämtland, Halland, Härjedalen und Ösel zurückzuerobern, die das Land mit dem Frieden in Brömsebro verloren hatte. Karl X. Gustav konnte diesen Krieg nur durch eine sehr wagemutige Aktion, die mit einem extrem kalten Winter verbunden war, gewinnen, indem er seine Truppen am 30. Januar 1658 über das Eis Richtung Dänemark schickte.

Die Friedensverhandlungen, die von Sten Nilsson Bielke, Joakim Gersdorff, Christian Skeel, Philip Meadowe und Hugues de Terlon geführt wurden, begannen Mitte Februar 1658 und bauten auf die übertriebenen Forderungen Schwedens auf, die nicht nur Blekinge, Halland uns Skåne auf dänischer Seite, das Bohuslän und das Stift Trondheim auf norwegischer Seite forderten, sondern auch Island, die Färöer, die Grafschaft Pinneberg und die dänischen Inseln Anholt, Bornholm, Læsø, Møn, Saltholm und Ven. Diese extreme Forderung sollte vermutlich dazu dienen einen Verhandlungsspielraum zu gewinnen, was sich auch dadurch ausdrückte, dass Schweden bereits am zweiten Verhandlungstag auf einige der Forderungen verzichtete.

Beim tatsächlichen Friedensschluss am 26. Februar 1658 erhielt Schweden die wichtigsten Gebiete zugesprochen, nämlich Skåne, Blekinge und Halland, was dem Land den Zugang zu den Weltmeeren öffnete, das Bohuslän mit der Bohus Fästning, die eine permanente Gefahr für das Land ausgemacht hatte, und erhielt zusätzlich Bornholm und das Stift Trondheim, also den gesamten Teil Nordnorwegens.

Noch im gleichen Sommer griff Schweden dann jedoch erneut das dänisch-norwegische Reich an und wollte damit erreichen, dass Schweden den Idefjorden und den Enningdalsäven für seinen Holzhandel und Holztransport benutzen konnte, was dann allerdings mit dem Frieden in Kopenhagen dazu führte, dass Bornholm zurück an Dänemark fiel und Trøndelag mit dem nördlichsten Teil Norwegens wieder an Norwegen ging. Schweden bekam daher 1660 endgültig die heutigen Grenzen und hatte durch den Gewinn von Blekinge, Skåne und Halland einen freien Zugang zu allen Gewässern, die vorher Dänemark kontrolliert hatte und von Schweden vorher nur durch hohe Zollabgaben benutzt werden konnten.

Auch wenn im Pararagraph neun des Friedensvertrags von Roskilde den neuen schwedischen Landschaften garantiert wurde, dass sie ihre Privilegien, ihre Gesetz und ihre Kirchenordnung beibehalten konnten, so wurden auch dort alle Gesetze und Bestimmungen stufenweise jenen Schwedens angepasst.

Copyright: Herbert Kårlin

fredag, juli 20

Gunilla Johansdotter wird Königin gegen ihren Willen

Gunilla Johansdotter des schwedischen Adelsgeschlechts Bielke af Åkerö wurde am 25. Juni 1568 geboren und war als Ehefrau des Königs Johan III. von 1585 bis 1592 die Königin Schwedens.

Gunilla von Schweden, die Tochter des Reichsrats und Stadthalters von Östergötland Johan Xaxelsson und seiner Frau Margareta Axelsdotter, verlor im Alter von sieben Jahren ihre Mutter und nur ein Jahr später auch ihren Vater, was, wie üblich zu jener Zeit, dazu führte, dass Gunilla Johansdotter am königlichen Hof aufgenommen wurde.

Als Johan III. bald nach dem Tod von Katarina Jagellonicas im Jahre 1583 Ausschau nach einer neuen Ehefrau und Königin hielt, fielen seine Blicke auf die 16-jährige Gunilla Johansdotter Bielke, was jedoch der Herzog Karl, der spätere König Karl IX. und die Geschwister des Königs sehr negativ aufnahmen und jede Intrige und jede Beziehung nutzten um Johan III. von seinem Vorhaben abzubringen. In ihren Augen sollte der König eine ausländische Prinzessin heiraten und damit die politischen und gesellschaftlichen Bande in ein Schweden nützliches Land stärken.

Johan III. ließ sich jedoch nicht von seinem Vorhaben abbringen und war überzeugt, dass eine Werbung selbstverständlich nur mit einem klaren Ja von Seiten Gunillas beantwortet werden konnte. Als er jedoch seine Zukünftige um eine Antwort bat, so lehnte Gunilla mit dem Hinweis ab, dass sie bereits mit Per Jonsson Liljesparre verlob sei und diesen auch heiraten werde. Nach dieser Ablehnung soll Johan III. Gunilla mit dem Handschuh ins Gesicht geschlagen haben und verärgert davongestürmt sein.

Gunilla Johansdotter hatte jedoch nicht mit ihrer eigenen Verwandtschaft gerechnet, die natürlich die Vorteile sah, die eine königliche Ehe Gunillas für sie selbst mit sich brachte. Welche Methoden die Verwandten Gunillas anwandten, ist unbekannt, aber sicher ist, dass Gunilla ihre Verlobung mit Per brach und am 15. Februar 1585 Johan III. in Västerås heiratete. Herzog Karl blieb der Hochzeit demonstrativ fern um damit seine Meinung zu dieser Ehe klar auszudrücken.

Auch wenn die Königin Gunilla wenig direkten Einfluss auf die politische Arbeit ihres Mannes hatte, so gelang es ihr als strenge Protestantin dennoch ihn in seiner katholischen Überzeugung etwas zu schwächen, auch wenn sie ihren Wunsch nicht durchsetzen konnte Johan III. ganz auf die protestantische Seite zu ziehen.

Nach dem Tod Johan III. zog sich die Witwenkönigin auf das Schloss Bråborg im Östergötland zurück, das ihr ihr Ehemann überschrieben hatte. Herzog Karl versuchte selbst dann noch ihre Rechte einzuschränken und einen Teil der Güter, wenn auch erfolglos, an sich zu reißen. Am 19. Juli 1597 starb Gunilla Johansdotter auf ihrem Schloss im Alter von nur 29 Jahren.

Gunilla Johansdotter Bielke hatte mit Johan III. einen Sohn, den sie Johan nannten, der jedoch 1604 bei der Norrköping arvförening (Änderung der Thronfolge) offiziell auf die Thronfolge verzichtete und im Ausgleich dafür mehrere Herzogtümer erhielt.

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torsdag, juli 19

Die Gutalagen, Gotlands Landschaftsgesetz

Da Gotland im Mittelalter zwar mit Schweden Verträge hatte, jedoch nicht zum schwedischen Reich gehörte, sondern seine Selbständigkeit bewahren konnte, kann man auch die Landskapslagarna (Landschaftsgesetze) der Insel nicht mit jenen Schwedens vergleichen, denn während die ersten Regionalgesetze, bzw. Landschaftsgesetze Schwedens nur Aufzeichnungen der Lagmän waren und daher keine gesamte Gesetzessammlung darstellten, bildet das Gutalagen eine komplettes Gesetzbuch, das von der Gutasagan, also der alten Geschichte Gotlands, ergänzt wird.

Die Gutalagen, das Gesetzbuch Gotlands, wurde spätestens gegen 1220 verfasst und ist damit die älteste Gesetzessammlung des heutigen Schweden. Da man in einem Brief des Erzbischofs von Lund, Andreas Sunesen, der 1207 Gotland besuchte, lesen kann wie nützlich ein schriftliches Gesetzbuch ist, nimmt man an, dass die Gutalagen bereits zu dieser Zeit existierte. Leider wurde, außer diesem Schriftwechsel, keinerlei Quelle gefunden, die diese Aussage des Bischofs bestätigt, weswegen dieses Datum nur von einem Teil der Geschichtswissenschaftler verteidigt wird.

Aber auch die überlieferte Abschrift der Gutalagen, die gegen 1220 verfasst wurden, wurde erst Mitte des 14. Jahrhunderts als Kopie erstellt. Da Gotland nicht nur bis 1595 unabhängig vom schwedischen Reich war, sondern auch über eine eigene Sprache verfügte, ist das Gesetz auch in gotischer Sprache verfasst und nicht in Schwedisch, was ebenfalls deutlich zeigt, dass diese Gesetze unabhängig von den Gesetzen des Festlands waren.

Während in Schweden die Landschaftsgesetze unter Magnus Eriksson (Magnus Erikssons landslag) in landesweite Gesetze verwandelt und allgemein auf das ganze Reich angepasst wurden, was 1442 auch zum Kristoffers Landslag führte, war Gotland und die Gutalagen in keiner Weise davon betroffen, auch wenn Gotland bereits seit der Epoche der Wikinger Abkommen mit dem Festland hatte, nicht zuletzt aus Handelsgründen und der Notwendigkeit einer gemeinsamen Verteidigung. Zahlreiche Dokumente belegen jedoch, dass der König Schwedens keinerlei Befugnis auf Gotland selbst hatte und die Insel sich nur freiwillig unter einen gewissen Schutz des Königs gestellt hatte, Gotland aber nicht in sein Reich integriert war.

In der modernen Geschichtsschreibung vergisst man oft diese Tatsache, indem man Gotland als abhängigen Schutzstaat des schwedischen Reiches beschreibt und damit auch die schwedischen Landesgesetze dort als gültig betrachtet, vermutlich deswegen, weil Gotland bereits unter den Wikingern ein wichtiger Stützpunkt war und Visby, die Hauptstadt Gotlands eine bedeutende Rolle für den nordischen Handel der Hanse spielte, Svitjod also auch von Gotland abhängig war.

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onsdag, juli 18

Rurik der Wikinger in der schwedischen Geschichte

Nur sehr wenige Herrscher der Wikinger oder mutige Feldherren dieser Zeit wurden namentlich überliefert. Und unter den wenigen haben nur drei eine Verbindung zu Schweden. Zu diesen schwedischen Wikingern gehören Styrbjörn Starke, Ottar Vendelkråka und Rurik, wobei letzterer nicht über schwedische Quellen, sonder über die russische Nestorchronik (Nestorkrönikan) bekannt wurde.

Rurik, der im nordischen oft Rörik (Hrörekr) genannt wird, wurde gegen 800 vermutlich in Svitjod geboren und starb gegen 879 als Herrscher des russischen Reiches Kiev, als dessen Gründer er bezeichnet wird und das unter der Dynastie des Geschlechts Rurik bis 1598 existierte. Als Rurik das Reich Kiev gründete, gehörte Novgorod, das später mehrmals von schwedischen Truppen eingenommen werden sollte, noch zu Kiev und hatte keine eigene Stellung.

Die einzigen Hinweise, dass es sich bei Rurik um einen schwedischen Wikinger handelt, kann man daher der Nestorchronik entnehmen, nach der er ein „varjag“ ein Nordmann war, was im damaligen Russland ausschließlich mit den Bewohnern Svitjods verbunden wurde. Da diese Chronik jedoch die Geschehnisse im alten Reich Kiev schildert, geht über die tatsächliche Herkunft dieses Wikingers aus diesen Dokumenten wenig hervor. Als relativ sicher gilt jedoch, dass Rurik zu jenen Wikingern gehörten, die zu Eroberungen aufbrachen um ein neues Reich zu gründen, das losgelöst von Schweden war und nur noch Handelsbeziehungen mit der Heimat hatte.

Auch wenn sich manche Archäologen und Geschichtswissenschaftler noch über die Existenz und die Eroberungen Ruriks streiten, so wurde in Ladoga, das auf dem Weg nach Kiev liegt, ein nordischen Friedhof der Wikingerzeit gefunden, in dem zwischen 850 und 925 mehrere Frauen begraben wurden. Um den gesamten Feldzug Ruriks und die Ursache dieses Friedhofs herrschen jedoch nur Theorien unterschiedlicher Art.

Einen weiteren Hinweis auf Rurik findet man einige Kilometer südlich von Novgorod, wo man ab dem 19. Jahrhundert bei verschiedenen Ausgrabungen zahlreiche Hinweise auf eine nordische Eroberung im 9. Jahrhundert entdecken konnte,  was natürlich nicht die Existenz des Wikinger Rurik beweist, sondern nur die Tatsache, dass sich im heutigen Russland an verschiedenen Stellen Wikinger niedergelassen haben mussten oder dort Handelsniederlassungen unterhalten haben. Der geschichtliche Streit geht daher nicht darum, ob Wikinger das Reich Kiev gründeten, sondern nur darum, ob Rurik oder ein ungenannter Wikinger der Gründer war.

In diesem Zusammenhang reicht es auch nicht, dass man in einigen Dokumenten, die in Klöstern des heutigen Friesland gefunden wurden in denen der Name Rörik mehrmals auftaucht, denn keines der Dokumente weist darauf hin, dass dieser Wikinger Rörik auch Richtung Russland aufbrach oder dass es sich über die gleiche Person handelte, zumal die sprachliche Verständigung nicht unbedingt garantiert war und vieles auch mit einer falschen Aussage in Dokumente gelangt sein kann.

Aus der Nestorchronik geht auch hervor, dass nicht nur Rurik das sogenannte Kievriket eroberte, sondern er mit zwei Brüdern unterwegs war, die Sineus und Truvor genannt werden, was jedoch vermutlich nicht deren echte Namen waren, da „thru voring“ auch soviel wie Krieger bedeutet und „sine hus“ die Bezeichnung für Blutsbrüder ist. Der Nachfolger Ruriks im Reiche Kievs wurde sein Sohn Ingvar, der im Russischen in Igor verwandelt wurde.

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tisdag, juli 17

Blot, die Opferfeste der vorchristlichen Zeit Schwedens

Die geschichtlichen Kenntnisse über die Blot (Opfer, Opferfest) Schwedens sind äußerst gering und beruhen auf kurzen Hinweisen in Dokumenten, archäologische Funde und Felszeichnungen oder andere Darstellungen. Die einzige längere Ausführung findet man in den Aufzeichnungen Adam von Bremens, die jedoch wenig glaubhaft sind, da die dort beschriebene Opferweise in keiner Weise durch Funde bestätigt werden kann und Adam von Bremen Angaben macht, die er nie in dieser ausführlichen Weise erlangen konnte.

Auch wenn man darüber keine Kenntnisse besitzt, so ist es wahrscheinlich, dass die Menschen bereits seit Beginn der Geschichte ihren Göttern Opfer brachten. Damit diese Opfer auch das Wohlwollen der Götter hervorrufen konnten, mussten diese Opfer in gewisser Weise wertvoll sein, ein Begriff, der sich vermutlich mehrmals im Laufe der Zeit änderte. Ein Blot konnte daher aus Schmuck, aus Keramik, aber auch aus Tieren oder Menschen bestehen, wobei man hierbei jedoch bedenken muss, dass ein geopferter Mensch nicht starb, sondern über diese Weise zu den Göttern kam und diesen dienen konnte. Man kann nicht von der heutigen Denkweise auf jene der vorchristlichen Zeit schließen, denn auch Sklaven oder Leibeigene (Träl, Ambátt) wurden bis zu den Wikingern nicht als Menschen betrachtet, sondern im bestem Fall als Handelsgut.

Als nächstes muss man bedenken, dass es sehr verschiedene Blot gab, die zu unterschiedlichen Zeiten und unterschiedlichen Angelegenheiten statt fanden. Die üblichsten Opfer waren das Disblot, das Segerblot, das Vårblot, das Midsommarblot, das Skördeblot, das Höstblot, das Alvablot und das Julblot. Ein Opfer konnte daher unterschiedliche Ziele haben und ebenso mit Forderungen als auch mit einer Danksagung oder einem Angstgefühl verbunden sein.

Während man nach Adam von Bremen und Snorre Sturlassson das letzte Blot, ein bedeutendes Opferfest, zwischen dem 31. Januar und dem 9. Februar 1084 im goldenen Tempel von Uppsala abgehalten wurde, wobei der Tempel nach dem Opferfest von Inge den äldre unmittelbar abgebrannt worden sei, so beweisen die Landskapslagarna, dass Opferfeste noch bis ins 13. Jahrhundert vorkamen, da in mehreren dieser Gesetzestexte, unter anderem dem Gutalagen, deutlich zu lesen ist, dass diese Opfer verboten sind und unter Strafe gesellt werden. Dies wäre nicht nötig gewesen, wenn diese Riten nicht weiterhin verbreitet gewesen wären.

Wie ein Blot gefeiert wurde, ist weitgehend unbekannt, denn auch wenn man weiß, dass die wichtigsten Opferfeste mit dem Allting verbunden waren, sich also alle bedeutenden Personen einer Region an einem zentralen Ort trafen, so ist über die Art der Feier kaum etwas bekannt. Da jedoch die Größe des Opfers bei einem bedeutenden Sieg oder bei großen Wünschen von größter Bedeutung war, konnte ein solches Fest nur von den reichsten Personen des Landes ausgerichtet werden, da einfache Handwerker oder Bauern nicht über Stiere oder Pferde verfügten, die als extrem wertvolle Opfergaben galten. Noch weniger hätten diese darüber entscheiden dürfen welche Menschen unter Umständen geopfert wurden.

Wenn einzelne kleinere Gruppen ein Blot veranstalteten, so konnten meist nur Lebensmittel oder auch Haustiere wie Hühner geopfert werden und, in besonderen Fällen, ein Hund oder eine Ziege.

Dass man über die Opfergaben wenig weiß, liegt auch daran, dass die Opfergaben oft mit einem großen Feuer verbunden waren und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Eventuell sollten die Götter dadurch auf den Ort der Opferstelle aufmerksam gemacht werden, oder aber die Gaben sollten über das Feuer zu den Göttern gebracht werden. Vieles dabei bleibt uns wohl für immer verborgen und lässt daher ständig neue Theorien entstehen.

Wenn man in der nordischen Mythologie sucht, so entdeckt man, dass dort Ymer als erstes Wesen geopfert wurde, damit die Erde entstehen konnte, eine Situation, die während der Christianisierung Schwedens eine wichtige Rolle spielte, da sich im katholischen Glauben der Gottessohn selbst opfert und derjenige ohne Sünden, oder mit vergebenen Sünden, das Fleisch und das Blut des Gottes zu sich nimmt, ein Bild, das man im Mittelalter relativ einfach vermitteln konnte.

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måndag, juli 16

Die Schlacht an der Neva und das Ende eines Kreuzzugs

Auch wenn der Kriegszug Schwedens Richtung Novgorod im Jahre 1239 sehr häufig als Kreuzzug bezeichnet wird, so ging es Erik Eriksson und Birger jarl dabei weniger um die Christianisierung des Ostens, sondern darum einen freien Handelsweg nach Griechenland zu schaffen und die gesamte Ostsee zu dominieren. Diesem Bestreben wurde jedoch bei der Schlacht an der Neva (Slaget vid Neva) von Alexander von Novgorod ein Ende gesetzt.

Da der damaligen Republik Novgorod, dem heutigen Russland, die Bestrebungen Schwedens bereits klar wurden als dieses den sogenannten zweiten Kreuzzug nach Finnland, genauer genommen dem Tavastland, im Jahre 1238 begann, hatte sich das russische Heer bereits auf einen Überfall vorbereitet und entlang des Landes Wachen aufgestellt und Spione dem schwedischen Heer entgegengeschickt.

Als daher die Schweden am strategisch bedeutsamstem Punkt, an der Mündung der Neva ihr Lager aufschlugen um die restliche Truppe zu erwarten, wurden sie bereits erwartet. Das Heer von Alexander von Novgorod, dem späteren Heiligen Alexander Newski, griff am Morgen das noch kleine Lager der Schweden unter der Führung des Bischof Thomas an und verhinderte die Ankunft des Nachschubs. Da die Schweden von diesem Überfall völlig überrascht waren, hatten sie keine andere Chance als zu fliehen.

Wie diese Schlacht verlief und wie viele Tote es dabei gab, wurde von keiner der beiden kriegerischen Seiten glaubhaft überliefert. Sicher ist jedoch, dass der Bischof Thomas, der das Bistum Åbo (heute Turku) hatte, entkommen konnte und durch diese Niederlage jeden Einfluss verlor.

Von russischer Seite wird der Gewinn der Schlacht an der Neva nur in Form von Legenden berichtet, die wenig glaubwürdig sind, denn als Alexander zur Schlacht aufbrach, sah man ein Schiff die Neva entlang gleiten, das von zwei Geistern geführt war, nämlich von den beiden russischen Heiligen Boris und Gleb, die die schwedischen Schiffe am Anlegen hinderten.

Nach Alexander von Novgorod wurden die Schweden, die unter der Leitung von Birger jarl, in einem goldenen Zelt am Ufer der Neva schliefen, vom russischen Heer überfallen. Unzählige schwedische Soldaten seien dabei gestorben und Birger jarl verletzt werden. Die meisten schwedischen Krieger wurden jedoch nicht von den Soldaten getötet, sondern von einem Erzengel, der mit aller Macht auf die Schweden einschlug. Birger jarl konnte nach diesen Legenden als einer der wenigen Überlebenden entkommen.

Nach schwedischen Quellen konnte Birger jarl jedoch zu dieser Zeit ebenso wenig an der Neva sein wie der König Erik Eriksson selbst, denn der König war krank und befand sich auf dem Näs Schloss auf Visingsö und Birger jarl war als Repräsentant des Königs bei der Bischofskrönung in Finnland.

Aber wie immer es auch zur Schlacht an der Neva kommen konnte und wie ihr Verlauf war, die Schweden wurden dabei davon abgehalten die Republik Novgorod zu erobern und mussten unverrichteter Dinge umkehren
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söndag, juli 15

Håkan Magnusson, der König auf verlorenem Posten

Håkan Magnusson wurde 1340 als Sohn von Magnus Eriksson und Blanka von Namur geboren und regierte von 1355 bis zu seinem Tod im Jahre 1380 über Norwegen. Den schwedischen Thron konnte er erst 1362 besteigen, nachdem er seinen Vater Magnus Eriksson gefangen genommen hatte. Allerdings war seine Zeit als schwedischer König nie stabil und schon zwei Jahre nach der Krönung musste er die schwedische Krone an Albrecht von Mecklenburg (Albrekt av Mecklenburg) abgeben.

Während Håkan Magnusson in Norwegen als kluger König galt, war seine Situation in Schweden äußerst schwach, da er bereits zu Beginn seinem Vater den Thron entreißen wollte, der vorher als sein Vormund auch in Norwegen regiert hatte, und sich dadurch sehr viele mächtige Feinde gemacht hatte, die ihm auch die Gefangennahme des Vaters sehr übel nahmen.

Im Jahre 1363 riefen daher der Reichsrat Bo Jonsson Grip, gemeinsam mit dem Sohn der Heiligen Birgitta, Karl Ulfsson, zum Widerstand gegen den König auf. Als Håkan Magnusson die beiden Aufrührer dann des Landes verwies, so suchten diese bei Albrecht von Mecklenburg Unterstützung, der sich nicht lange darum bitten ließ, da er hierbei die Chance sah den schwedischen Thron selbst an sich reißen zu können.

Als Albrecht von Mecklenburg 1364 Stockholm eingenommen hatte, hatte Schweden jedoch plötzlich drei Könige, denn Magnus Eriksson regierte in Teilen Västergötlands, Håkan trat nicht zurück und Albrekt wurde nur sehr bedingt anerkannt, da der Adel einen einheimischen König wollte, vorzugsweise Magnus Eriksson. Es folgten daher nahezu acht Jahre an Bürgerkrieg, den Albrecht von Mecklenburg jedoch 1371 gewann, jedoch nur unter der Bedingung, dass die Regierungsgeschäfte weiterhin von Bo Jonsson Grip geführt wurden.

Auch das Verhältnis von Håkan Magnusson zu Dänemark war zeitweise sehr angespannt, denn noch während der Verlobung mit Margareta Valdemarsdotter, der Tochter des dänischen Königs Valdemar Atterdag, hatte der Däne Skåne in sein Reich einverleibt und Gotland erobert. Håkan wollte sich daraufhin durch eine Ehe mit Elisabet von Holstein einen deutschen Verbündeten schaffen, was jedoch bereits daran scheiterte, dass das Schiff Elisabets an der dänischen Küste anlegte und die zukünftige Königin von Atterdag gefangen genommen wurde. Håkan Magnusson machte daraufhin eine Kehrtwende und brach die Ehe mit Elisabet und heiratete, trotz der bestehenden Probleme, Atterdags Tochter Margareta.

Die Zukunft Schwedens entschied sich, trotz der weiter anhaltenden Kämpfe, bereits im Jahre 1365 bei der Schlacht am Gataskogen (Slaget vid Gataskogen), als Magnus Eriksson und Håkan Magnusson gemeinsam gegen das Heer von Albrekt av Mecklenburg kämpften. Magnus Eriksson wurde bei dieser Schlacht endgültig entmachtet, während Håkan Magnusson einen Teil des Västergötlands behalten konnte, das eng mit dem norwegischen Reich verbunden war, wo Håkan nach wie vor König war. Die schwedische Krone als solches war für ihn jedoch endgültig verloren.

Håkan Magnusson hatte mit Margarete Valdemarsdotter nur einen Sohn, Olof, der 1376 König von Dänemark und 1380 der König von Norwegen wurde. Olof wollte die schwedische Krone zurückerobern, starb jedoch als letzter König des Folkungaätten bereits im Jahre 1387 im Falsterbohus, so dass dieser Wunsch nicht mehr in Erfüllung ging.

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lördag, juli 14

Der Runenstein von Rök (Rökstenen)

Der Rökstenen, der Runenstein von Rök, ist, neben dem Karlevistenen (Karlevistein), einer der bekanntesten und interessantesten Runensteine der schwedischen Geschichte. Der Stein, dessen ursprünglicher Standort nicht bekannt ist, befindet sich heute an der Kirche des Ortes Rök, der in der Nähe von Linköping liegt.

Der Rökstenen ist insgesamt 382 Zentimeter hoch, 138 Zentimeter breit und misst an der dicksten Stelle 43 Zentimeter. Allerdings ragen nur 257 Zentimeter des Runensteines aus dem Boden. Auf dem Stein findet man insgesamt 750 Runenzeichen, was dazu führte, dass man den Text als das älteste schwedische literarische Dokument betrachtet, auch wenn die Deutung des Inhalts bis heute nicht eindeutig geklärt ist.

Der Runenstein von Rök, der seine Bezeichnung nach dem Ort, an dem er gefunden wurde, bekam, stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts, kann aber auch etwas älter sein. Die Datierung erfolgte auf Grund der altnordischen Sprache, die der Verfasser des Textes anwandte und sich sehr deutlich von jener des folgenden Jahrhunderts unterscheidet. Hinzu kommt, dass der Text in Futhark mit 16 Zeichen verfasst wurde, was die Lektüre bedeutend erschwert. Ein anderer Grund, warum man annimmt, dass der Rökstenen aus dem neunten Jahrhundert kommt, ist die Tatsache, dass die Mehrheit der Geschichtsforscher annimmt, dass es sich bei Tjodrik, der in der Inschrift genannt wird, eigentlich Theoderich den Großen handelt, der ab 471 der König der Ostrogoterna (Ostgoten) war, die im Laufe der Völkerwanderung bis an die Ostsee gelangten.

Der Rökstenen wäre ohne den Runenforscher Johannes Bureus eventuell ganz verloren gegangen, da der Runenstein von Rök im 12. Jahrhundert in eine Lagerhaus für die Steuern (den Zehnten) eingemauert wurde und anschließend Teil der alten Kirchenmauer wurde. Wenn daher Johannes Bureus nicht eine Zeichnung des Runensteines angefertigt hätte, so wäre er im folgenden Jahrhundert nicht von mehreren Runenforschern der Zeit aufgesucht worden, zumal der Stein so eingemauert war, dass der Haupttext unsichtbar war. Die wichtigste Inschrift wurde allerdings erst 1843 entdeckt, als die alte Kirche abgerissen wurde. Seinen heutigen Platz bekam der Rökstenen jedoch erst 1933, als man die Runensteine mit der höchsten Kultur des alten Schwedens verknüpfte und sie deutlich sichtbar aufgestellt wurden.

Über den tatsächlichen Text des Steines sind sich Runenforscher allerdings bis heute nicht einig, da die Trennungszeichen der Worte fehlen und bei dieser Art der Schreibweise (16 Runenzeichen) mehrere Buchstaben gleich geschrieben werden, aber eine unterschiedliche Bedeutung haben können. Einig ist man sich im Grunde nur darüber, dass auf dem Runenstein ein Teil der schwedischen Geschichte und/oder der nordischen Mythologie zu finden ist und der Text von einem damaligen Könner geschrieben und eingeschlagen wurde.

Nach dem Buch „Om hjältesagan å Rökstenen“ behauptet Viktor Rydberg, dass alle Namen, die auf dem Rökstenen genannt werden in der isländischen Sage „Ragnar Lodbrok“ vorkommen. Er schließt daher darauf, dass die Deutung des Textes im Zusammenhang mit der nordischen Mythologie gesucht werden muss und weniger bei einer tatsächlichen geschichtlichen Handlung.

Die Deutung, die man heute neben dem Rökstenen lesen kann und gegenwärtig am häufigsten verbreitet wird, stammt vom Sprachwissenschaftler Elias Wessén, der den Text im Jahre 1958 deutete, wobei diese Interpretation allerdings von zahlreichen gegenwärtigen Sprachwissenschaftler angezweifelt wird, da Wessén bei der Deutung zu mathematischen Sprachmodellen griff, die, ihrer Meinung nach, nicht auf Texte der späten Eisenzeit angewendet werden können. Einige Wissenschaftler meinen auch, dass Wessén bei seiner Übersetzung nicht am Beginn des Textes zu lesen begannt, sondern die falsche Seite als Grundlage nahm.

Nachdem Runenzeichen jedoch oft nicht nur in ihrer wörtlichen Bedeutung gesehen werden dürfen, sondern auch als mythologische Symbole und zudem bisher keinerlei andere Texte dieser Art gefunden wurden, was die Deutung vereinfachen könnte, wird man auch in Zukunft die Bedeutung des Steines und seines Textes nur „raten“ können. Vielleicht bleibt dabei auch seine ursprüngliche Bedeutung verborgen. Sicher ist bisher nur, dass Varin diesen Stein für seinen Sohn Vämud errichten ließ, zwei Personen, die man in der schwedischen Geschichtsschreibung nicht finden kann.

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fredag, juli 13

Der goldene Tempel in Uppsala in der schwedischen Geschichte

Seit Adam von Bremen gegen 1076 von einem „Templum Nobilissimum“ in Gamla Uppsala berichtete, sind Archäologen und Geschichtsforscher auf der Suche nach diesem einzigartigen Tempel, oder auch einem anderem Tempel, der als Gotteshaus für die nordischen Götter gedient hat und insbesondere Tor (Thor), Oden (Odin) und Frej gewidmet waren, wobei man bei dieser Suche in der Regel davon ausgeht, dass Gotteshäuser mit einem Glauben verbunden sein müssen, was bei der nordischen Mythologie jedoch nicht üblich war.

Der „goldene Tempel“ in Gamla Uppsala soll, nach Adam von Bremen, der wichtigste Tempel Svitjods gewesen sein und eine bedeutende Rolle bei der Christianisierung gespielt haben, als Inge den äldre seinen Schwager Blot-Sven tötete und den Tempel abbrannte, als Zeichen dafür, dass die alten Götter keine Macht hatten. An der Stelle des Tempels soll anschließend eine katholische Kirche gebaut worden sein.

Es wurde keine Mühe gespart diesen sagenumwobenen Tempel des Asagötter zu finden, aber es wurden in Gamla Uppsala weder Reste eines bedeutenden Gebäudes, noch Gold, noch Statuen der Götter gefunden, was man dann Jahrhundertelang als Zeichen dafür nahm, dass es weder den "goldenen Tempel" in Gamla Uppsala noch andere Tempel vor den Einzug des Christentums gab.

Diese Meinung wurde noch davon unterstützt, dass das Blot, die Opfer an die mythologischen Götter, nicht in Räumen, sondern an heiligen Orten im Freien stattfanden. Warum also zusätzlich ein Gebäude errichten? Die Theorien gehen bis heute auseinander, denn warum sollten die Wikinger oder andere Bewohner Schwedens dieser Zeit nicht nach dem Vorbild der Christen, ihren Göttern Häuser gebaut haben? Warum sollten die Christen jener Epoche das Gold nicht eingeschmolzen haben um damit Handel zu betreiben? Warum sollte man nicht die Stauen zerschlagen haben um die Macht der nordischen Götter zu brechen? Niemand kann heute sagen, ob es in Gamla Uppsala je einen Tempel gab oder nicht, auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass der „goldene Tempel“ je existierte, zumal ausschließlich Adam von Bremen über ihn berichtet, ein Mann, der nie in Schweden war.

Aber selbst wenn man davon ausgeht, dass der Bau der Kirche in Gamla Uppsala nicht auf einem alten Tempel stattfand und die Ortsangabe als falsch betrachtet werden muss, so schließt dies nicht aus, dass es andere vorchristliche Tempel im heutigen Schweden gab, denn sowohl am Mälaren, als auch bei Norrköping und Uppåkra wurden Langhäuser (Långhus) ausgegraben, deren Bestimmung man nicht kennt und die, zumindest theoretisch, Tempel sein konnten.

Eines der Gebäude, das einem Tempelbau nahe kommt, liegt nicht weit von der Stelle entfernt, die Adam von Bremen nennt, denn bei den Königshügeln (kungshögarna) konnte man ein Langhaus von außerordentlicher Größe ausgraben, das zudem auf einer Anhöhe lag. Natürlich kann es sich dabei auch um ein Lagerhaus für Handelswaren oder ein anderes wichtiges Bauwerk gehandelt haben, aber auch einen Tempel kann man nicht ausschließen.

Das Langhaus in Uppåkra mit einer Größe von 13 Metern Länge und 6,5 Meter Breite, das etwa 200 nach Christus gebaut wurde, gleicht ebenfalls einem Tempel, wobei man hier, im Gegensatz zu jenem bei Gamla Uppsala, auch 120 „Goldfiguren“ gefunden wurden, die zwischen 400 und 800 nach Christus hergestellt wurden. Auch andere wertvolle Funde in Uppåkra zeugen entweder von bedeutendem Reichtum und Macht des Besitzers dieses Langhauses, oder aber, dass es sich dabei um einen wichtigen Kultplatz Skånes handelte. Allerdings gehörte Uppåkra zu dieser Zeit nicht zu Svitjod (Schweden), sondern war ein eigenes Reich. Da das Gebäude bereits gegen 800 nach Christus verlassen wurde, gibt es auch keine Dokumente, die auf diesen eventuellen Tempel hinweisen könnten und Geschichtswissenschaftler und Archäologen sind ausschließlich auf Theorien angewiesen.

Der dritte diskutierte Tempelbau befindet sich bei Bor, in der Nähe von Norrköping. Das Gebäude hier ist zwar weitaus kleiner als jenes in Uppåkra, aber auch hier fand man 98 Amulettringe und zahlreiche Tierknochen, die auf Opfergaben schließen lassen. Hinzu kommt, dass dieses Gebäude auf einem mit Stein belegten Hof lag, was auch für die späte Eisenzeit noch ungewöhnlich war. Die später in der Nähe erbaute Kirche könnte ebenfalls darauf schließen lassen, dass katholische Mönche hier die Macht des neuen Gottes demonstrieren wollten.

Archäologen haben mittlerweile noch mehrere Bauten in ganz Schweden mit einem Fragezeichen nach einem vorchristlichen Tempel versehen, auch wenn man vielleicht nie wissen wird, ob je ein heidnischer Tempel in Schweden existierte. Sicher ist allerdings, dass in diesem Fall nicht der goldene Tempel in Gamla Uppsala der bedeutendste bebaute Kultort während Völkerwanderung, Vendelzeit oder der Epoche der Wikinger war, aber da man auf Grund der ältesten Dokumente das Zentrum Schwedens immer am Mälaren suchte, wurde dadurch natürlich ein falsches Geschichtsbild Schwedens aufgebaut und die Ausgrabungen konzentrierten sich auf die Umgebung des Mälaren.

Copyright: Herbert Kårlin